Die Schuhverkäuferin

 

Er sah Martha nicht an, als sie wieder zu Hause waren.

Sylvia zeigt stolz ihre Tüten. Zwei Paar Schuhe. Vater hatte ihr in Rheine Schuhe gekauft, gleich zwei auf einmal. Martha, ihre Mutter war verwundert, sie sagte ärgerlich zu ihrem Mann: „Musste das sein? Sylvia braucht doch auch noch Lackschuhe für ihre Kommunion!“

Sylvia schlich sich ins Kinderzimmer und drückte die Schuhkartons fest an sich.

Im Schuhgeschäft in Rheine hatte sie sich nicht entscheiden können, die braunen hatten eine schöne Schnalle und die anderen waren dunkelblau und ein kleiner Elefant war am Schuhband befestigt. Er gehörte dazu. Vater hatte eine Spitzenlaune: „Dann nehmen wir sie beide“, rief er großzügig und hatte dabei die Verkäuferin angesehen.

Eine andere Kundin und die andere Verkäuferin lachten beifällig: „Hast du ein Glück“, sagten sie zu Sylvia. An der Kasse schaute Sylvia in den Karton, ob der kleine Elefant auch darin ist. Beim Bezahlen hatte Sylvias Vater der Verkäuferin einen Zettel zugeschoben. Sylvia stutzte: eigentlich gibt doch die Verkäuferin den Kassenzettel.

Auf dem Zettel stand: Auf der Ludgeribrücke. morgen Abend. Nach Ladenschluß.

Und sie war tatsächlich gekommen. Kurt war sich überhaupt nicht sicher gewesen. Er war Familienvater, das hatte er nicht verheimlicht. Seit Jahren kaufte er in dem kleinen Geschäft die Schuhe für seine vier Kinder. Vor einem Jahr war der Laden vergrößert worden, es gab jetzt sogar ein Messgerät für die Kinderfüße und eine weitere Verkäuferin war eingestellt worden. Er wusste auch, dass die Neue Ingrid hieß, denn ihre Kollegin Fräulein Humann, hatte sie so gerufen.

Die Ems war jetzt dunkel und die große Brücke warf ihren Schatten auf die beiden, als sie am Fluss spazieren gingen. Der Uferweg führte zum Emswehr von Rheine. St. Antonius und die Mühle warfen ihre Schatten.

Martha hat nur die Kinder im Kopf“, sagte er auf einen gewissen Blick von ihr, „Kinder, Waschmaschine, und jetzt die Erstkommunion von Sylvia. Ich bin überhaupt nicht mehr wichtig. Ich träume von etwas ganz anderem!“

Ja, wovon denn?“fragte sie mit großen Augen.

Bremerhaven. Kennen Sie Bremerhaven?“ Er redete, wie er schon lange nicht mehr geredet hatte. „Bremerhaven?“

Ich bin schon mal in Bremerhaven gewesen“, gestand er ihr. Martha wusste davon nichts. Ingrid schmiegte sich an ihn.

Und von Bremerhaven geht’s nach Amerika. Da kann man zum Beispiel die Füße auf den Tisch legen. Einfach so. Man sagt Hallo und legt die Füße auf den Tisch.“

Aber das macht doch kein Mensch. Die Füße auf den Tisch legen.“ Ingrid zweifelte.

Das ist ja nur ein Beispiel, in Amerika fragt keiner, woher man kommt, sondern nur was man kann.“ Ingrid dachte, das ist aber weit.

Sie küssten sich und der Mond schien auf die Ems.